Der sittenwidrige Lohn / Die sittenwidrige Bezahlung

Wurde ein sittenwidrig niedriger Lohn oder eine sittenwidrige Bezahlung vereinbart, kann der Arbeitnehmer den üblicherweise zu erwartenden Lohn nachträglich einklagen. Wann das der Fall ist, ist vom Einzelfall abhängig, also von der konkret ausgeübten Tätigkeit. Wann Sittenwidrigkeit vorliegt ist vom Abweichen des vereinbarten Lohns bzw. vom üblicherweise zu zahlenden Lohn abhängig. Was üblicherweise bezahlt werden muss ergibt sich aus, zum Beispiel, tarifvertraglichen Regelungen. Ab einer Abweichung von 30 % kann man schon von einer sittenwidrigen Bezahlung ausgehen.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie einen sittenwidrigen Lohn als Arbeitgeber zahlen oder aber als Arbeitnehmer erhalten, dann sprechen Sie uns an. Gerne prüfen wir für Sie, wie hoch Ihr Risiko ist, wenn Sie einen sittenwidrig niedrigen Lohn an Mitarbeiter bezahlen und wie lange eine nachträgliche Zahlung droht.

Grundsätzlich gilt, dass bis zur Verjährungsgrenze rückwirkend der übliche Lohn von Arbeitnehmern nachgefordert werden kann. Die übliche Verjährungsgrenze ist 3 Jahre. Die Verjährungsfrist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist, zu laufen, so dass Arbeitnehmer beinahe für 4 volle Jahre gegenüber ihrem Arbeitgeber Lohnansprüche durchsetzen können.

Das seit 01.01.2015 geltende Mindestlohngesetz MiLoG führt nicht dazu, dass keine sittenwidrig niedrigen Löhne mehr bezahlt werden können. Auch wer als Arbeitgeber 10,00 € die Stunde zahlt (Mindestlohn € 8,50), kann einen sittenwidrig niedrigen Lohn bezahlt haben, nämlich dann, wenn üblicherweise für diese Art Tätigkeit, die konkret ausgeübt wurde, Arbeitnehmer einen Stundensatz von 15,00 € erhalten. Das Mindestlohngesetz ist in jedem Falle einzuhalten, zusätzlich müssen Arbeitgeber weiterhin darauf achten, den darüber hinausgehenden üblichen Lohn nicht um mehr als 30 % zu unterschreiten.