• Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht und Versicherungsrecht

Nehmen Sie direkten Kontakt mit uns auf:

Mit (Stern*) gekennzeichnete Felder sollen bitte ausgefüllt werden.

Ein Mandatsverhältnis kommt durch diese Kontaktaufnahme nicht zustande.

Den Datenschutz-Hinweis habe ich gelesen und ja, ich willige in die Nutzung meiner Daten ein:*



Vollkaskoschaden Hochstufung oder Rückstufung

Die Hochstufung oder Rückstufung (man kann beide Begriffe nutzen) bei einem Vollkaskoschaden erfolgt zum nächsten Versicherungsjahr. Um das System der Schadenfreiheitsklassen (SF oder SF-Klasse), der Prozentsätze („ich zahle nur 25% und Du?“) und der Hochstufung im Schadenfall zu verstehen, muss man das nachfolgende wissen.

Was ist eine Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse)

Der Versicherer belohnt schadenfreies Fahren. Für Versicherungsnehmer, die einen Schaden verursachen oder sogar mehrere Schäden verursachen, wird eine höhere Prämie für die Zukunft verlangt. Vorsichtiges Fahren wird belohnt, schadensträchtiges Verhalten bestraft. Deshalb hat die Versicherungswirtschaft Schadenfreiheitsklassen, so genannte SF-Klassen, eingeführt.

SF 1 steht für ein schadenfreies Jahr, FS 2 für 2 schadenfreie Jahre. So geht es weiter bis SF 20 oder SF 25. Die Allianz bietet aktuell (2015) bis zu SF 35. Diese SF-Klassen gibt es für die KFZ-Haftpflichtsparte wie auch für die Vollkaskosparte. Beide Sparten, Kfz-Haftpflicht und Kfz Vollkasko, sind voneinander getrennt.

Unterschiedliche SF-Klassen bei Vollkasko und Haftpflicht

Wenn ein Versicherungsnehmer in der Haftpflichtsparte mehrere Unfälle verursacht, wo der Versicherer zahlen musste, er aber die Vollkaskoversicherung nicht in Anspruch genommen hat, dann kann es passieren, dass der Versicherungsnehmer bei der Haftpflichtversicherung in SF 3 eingestuft ist und bei der Vollkaskoversicherung in SF 20.

SF-Klasse und Prozentsätze

Jeder SF-Klasse ist ein bestimmter Prozentsatz zugeordnet. Dies variiert bei den verschiedenen Versicherern. Wenn SF 4 bei dem einen Versicherer 48 % (Gothaer oder Allianz 2015) entspricht kann es bei einem anderen Versicherer 50% sein. Bei der Allianz entspricht SF 35 z.B. einem Beitragssatz von nur noch 25% (2015), SF 10 bedeutet 40%, SF 3 bedeutet 50%.

PKW werden anders mit Prozenten belegt als z.B. Motorräder. Ein Motorrad hat bei SF 4 z.B. einen Prozentsatz von 30% (Gothaer) und bei PKW 48%!

100% des Beitrags

Was 100% des Beitrages kostet, ist aber genauso wichtig.

Stellen Sie sich vor, Sie haben bei dem einen Versicherer A SF 35, was 50 % bedeutet. Bei der Allianz haben Sie auch SF 35, dort bedeutet SF 35 allerdings 25 %. Welcher Versicherer ist günstiger?

Abhängig ist das von dem 100 % Beitrag. Beträgt dieser bei dem einen Versicherer A nur 1000 € dann kostet die Prämie bei 50 % 500 €. Bei der Allianz bedeutet 100 % Beitragssatz aber 3000 €, dann entsprechen 25 % 750 €.

Obwohl also bei der Allianz einen günstigerer Beitragssatz besteht (25% statt 50%), kostet die zu zahlende Prämie am Ende mehr als bei dem anderen Versicherer A, bei dem Beitragssatz 50% beträgt.

Wichtig ist das auch bei einem Versichererwechsel. Entscheidend ist nicht, welchen SF-Satz man hat, wichtig ist nicht, wie hoch der Prozentsatz ist, sondern wichtig ist am Ende, welcher Beitrag im Jahr zu zahlen ist. Bei einem Versichererwechsel sollte man daher nicht nur darauf achten, welchen Prozentsatz man vorher hatte und welchen man jetzt hat sondern man muss darauf achten, dass die SF Klasse die gleiche geblieben ist und der Beitrag günstiger wird.

Vorläufige Schadenfreiheitsklassen bei Ersteinstufung/Zweitwagen

Probleme bereitet häufig, dass man bestimmte SF-Klassen vom Versicherer zugeordnet erhält, obwohl man noch keine schadenfreien Jahre sich erarbeitet hat. Fährt ein Vater sein Fahrzeug 10 Jahre unfallfrei hat er SF 10 erreicht. Meldet er nun für seinen Junior ein Auto an wird ihm meistens die Einstufung seines Zweitfahrzeuges mit SF 3 vom Versicherer zugestanden. Der Junior fährt 3 Jahre. In dem Versicherungsschein steht dann SF 6. Nun soll das Fahrzeug des Juniors bei einem anderen Versicherer versichert werden. Man vergleicht die Prämien, es wird gefragt welche SF Klasse man hat, man gibt Klasse SF 6 an und eine vorläufige Berechnung durch den neuen Versicherer erfolgt mit SF 6. Nach dem Wechsel des Versicherers lässt sich der neue Versicherer vom alten Versicherer die schadenfreien Jahre bestätigen. Der Junior ist aber nur 3 Jahre schadenfrei gefahren. Deshalb hat er in der Tat nur SF 3. Nur SF 3 wird daher an den neuen Versicherer bestätigt. Die komplette Kalkulation ist jetzt fehlerhaft und der neue Versicherer verlangt einen weit höheren Beitrag, denn SF 6 bedeutet 44% und SF 3 bedeutet 50% und unterscheidet sich erheblich. Der Ärger und der Weg zum Anwalt sind vorgezeichnet. Die „geliehenen“ SF 3 bei der Ersteinstufung für den Zweitwagen können von dem alten Versicherer nicht an den neuen bestätigt werden. Dem alten Versicherer ist es untersagt, mehr schadenfreie Jahre dem neuen Versicherer zu bestätigen als tatsächlich angefallen sind.

Für jeden Vertrag eigene SF-Klassen

Wer 10 Jahre unfallfrei gefahren ist hat SF 10. Man ist versucht zu denken, dass wenn man sich dann ein 2. Auto anschafft man für dieses 2. Auto auch SF 10 bekommt, da man 10 Jahre schadenfrei gefahren ist.

Das ist nicht so. Jeder Vertrag wird für sich selbst gezählt. Es geht also nicht nur um schadenfreies Fahren im Allgemeinen, sondern, wie lange ein Vertrag unterhalten wurde, der nicht mit einem Schaden belastet wurde! Das führt dazu, dass wenn man 2 Fahrzeuge hat und für beide Fahrzeuge 10 Jahre lang eine Versicherungsvertrag unterhalten hat und man deshalb 2 Versicherungsverträge mit SF 10 hat und mit einem Auto einen Unfall verursacht man nur mit einem Vertrag zurückgestuft wird, nicht jedoch mit dem anderen Vertrag.

Unerheblich bei der Rückstufung ist, wer den Unfall verursacht hat

Egal wer den Unfall verursacht hat, der Vertrag wird hochgestuft bzw. zurückgestuft.

Wenn ein Ehemann einen Versicherungsvertrag unterhält und die Ehefrau darf mit dem Auto ebenfalls fahren und verursacht die Ehefrau, die gar nicht Versicherungsnehmerin ist, einen Schaden dann kommt es zu einer Rückstufung oder Hochstufung, obwohl der Ehemann, der Versicherungsnehmer und damit der Vertragspartner ist, keinen Unfall verursacht hat. Es kommt also nicht darauf an, wer den Unfall verursacht hatte sondern nur, ob der Vertrag mit einem Schaden belastet wurde.

Zurückkaufen der Schadenfreiheitsklasse nach einer Rückstufung

Bei allen Schäden findet eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse statt (nur nicht bei der Teilkaskoversicherung). Die Rückstufung führt im nächsten Jahr zu einem höheren Beitrag und auch im übernächsten Jahr und auch im Jahr darauf usw. Man kommt nie wieder in die Situation, einen so guten Schadenfreiheitsrabatt zu bekommen wie vor dem Unfall. Man kann sich anhand der aktuellen Prämien und der Höhe der Rückstufung ausrechnen, wie viel Prämien man in Zukunft für diese Rückstufung mehr zahlen muss.

Ist das Ergebnis, dass aufgrund der Rückstufung innerhalb der nächsten 3 Jahre ein Mehrbeitrag von 3000 € zu zahlen ist und hat man aber nur einen Haftpflichtschaden in Höhe von 1200 € verursacht, dann kann ein Schadenfreiheitsrabatt bei dem Versicherer zurückgekauft werden, indem der Betrag in Höhe des Haftpflichtschadens an den Versicherer erstattet wird. Dafür gibt es besondere Regelungen in den Versicherungsbedingungen.

Kann man von vornherein erkennen, dass die Höhe des Schadens niemals die Rückstufung rechtfertigt kann man mit dem Unfallgegner selber eine Einigung erzielen, indem man einen bestimmten Betrag bezahlt, verbindlich vereinbart, dass damit sämtliche Ansprüche aus dem Unfallereignis erledigt ist und muss den Schaden noch nicht einmal der eigenen Haftpflichtversicherung melden, so dass es erst gar nicht zu einer Rückstufung kommt.

Bei der Vollkaskoversicherung ist es ähnlich: erkenne ich als Versicherungsnehmer, dass der eingetretene Schaden durch Vandalismus nur 1500 € kostet, ich eine Selbstbeteiligung von 650 € habe und im Falle der Rückstufung in den nächsten Jahren ca. 3000 € mehr Prämie zu zahlen habe dann sollte dieser Vollkaskoschaden nicht dem Versicherer gemeldet werden. Der Vertrag bleibt dann Schadenfrei, die Prämien in Zukunft gering und insgesamt stehe wird ein finanziell besseres Ergebnis erreicht.

Vollkaskoschaden Hochstufung

Für die Vollkaskoversicherung bedeutet das, dass sich immer dann, wenn ein Schaden für den Bereich der Vollkaskoversicherung gemeldet wird, mit einer Rückstufung bzw. Hochstufung gerechnet werden muss, die sich in den nächsten Versicherungsperioden finanziell nachteilig auswirkt.

Die Rückstufung erfolgt nicht aufgrund der Höhe eines Schadens sondern erfolgt einfach deshalb, dass überhaupt ein Schaden reguliert wurde. Die Rückstufung ist immer gleich hoch, egal ob der Schaden 1000 € war, der reguliert wurde oder 100.000 €. Wie viel Stufen zurückgestuft wird ergibt sich aus dem Versicherungsvertrag und den Versicherungsbedingungen. Es gibt Rückstufungstabellen. z. B. bei der Allianz gilt Folgendes in der Vollkaskoversicherung:

Um die Sache praktisch darzustellen wird sich nachfolgend auf die Kfz Versicherungsbedingungen der Allianz bezogen, Stand 1.10.2016, so wie sie aktuell im Internet einsehbar sind.
Danach beträgt bei Schadensfreiheitsklasse SF 35 der Beitragssatz in der Kfz Haftpflichtversicherung (KH) 20 % und in der Vollkaskoversicherung (VK) ebenfalls 20 %.

Wer 1 Schaden verursacht wird von SF 35 auf SF 25 bei KH zurück gestuft, man verliert also 10 Schadenfreie Jahre und bei Vollkasko (VK) auf SF 30.  Bei KH entspricht SF 25 genau 26%. Man muss in KH also statt bisher nur 20% des Beitrags zu zahlen in Zukunft 26% des Beitrages zahlen. In VK muss man statt bisher 20% (SF 35) des Beitrages in Zukunft 22% (SF 30) zahlen.

Hat man zwei Schäden, stürzt man erst von SF 35 (= 20% bei KH und VK)  bei KH auf SF 25 (=26%) und dann auf SF 8 (= 39%). Bei VK stürtzt man erst von SF 35 (20%) auf SF 25 (26%) und dann auf SF 8 (=30%).