• Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht und Versicherungsrecht

Vollkaskoschaden Schadenregulierung

In der Regel hat man in der Teilkaskoversicherung wie auch in der Vollkaskoversicherung eine Selbstbeteiligung vereinbart. Die Selbstbeteiligung ist in der Regel bei der Vollkaskoversicherung höher als bei der Teilkaskoversicherung. Versicherungsnehmer haben deshalb immer ein Interesse daran, einen Schaden der Teilkaskoversicherung zuzuordnen. Auch unterhalten sehr viel mehr Personen Teilkaskoversicherungen als Vollkaskoversicherungen. Das liegt daran, dass die Vollkaskoversicherung die Teilkaskoversicherung mit enthält und deshalb nicht wesentlich teurer ist als die reine Teilkaskoversicherung. Auch für diese Versicherungsnehmer ist es wichtig, dass ein Schadenfall der Teilkaskoversicherung zugeschrieben wird.

Problem Rückstufung im Schadenfall

Bei einem Teilkaskoschaden, zum Beispiel bei einem Diebstahl des Fahrzeugs, findet keine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse statt. Nur bei einem Vollkaskoschaden, also z. B. bei einem selbst verursachten Schaden, findet eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse statt. Bei einem Vandalismusschaden (gehört zur Vollkasko) erfolgt ebenfalls eine Rückstufung. Wird einem also z.B. die Antenne beim Kfz abgerissen, kann das unter Vandalismus fallen mit der Folge, dass die Selbstbeteiligung für Vollkasko eingreift, die meist höher und daher schlechter für den Versicherungsnehmer ist und zudem erfolgt eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse mit der Folge, zukünftig höhere Beiträge zahlen zu müssen. Zur Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse.

Wurde jedoch die Antenne gestohlen so fällt der Schaden unter die Diebstahlversicherung, damit unter die Teilkaskoversicherung und damit ist meist eine geringere Selbstbeteiligung verbunden und eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse erfolgt nicht mit der Folge, zukünftig keine höheren Beiträge zahlen zu müssen.

Diebstahl von Kfz - Achtung bei der Schadenmeldung!

Bei dem Diebstahl von Kfz oder Motorrädern ist bei der Schadensmeldung dringend darauf zu achten, dass alle gemachten Angaben vollständig korrekt sind. Es ist in jedem Falle davon abzuraten, falsche Angaben zu machen. Auch eine Angabe "ins Blaue hinein", also ohne genaue Kenntnis, sollte nicht gemacht werden. Auch das wird negativ dem Versicherungsnehmer angelastet und führt im Zweifel bis zur Leistungsfreiheit des Versicherers.

Klassiker der Falschangaben: Kilometerstand

Insbesondere darf kein falscher Kilometerstand angegeben werden (ein zu geringer Kilometerstand führt zu einer Werterhöhung), denn der Versicherer wird sich auf eine arglistige Täuschung berufen. Das kann zu einer völligen Leistungsfreiheit des Versicherers führen. Wie erfährt der Versicherer von der Falschangabe? Zum Beispiel durch das Auslesen des Schlüssels oder alten Reparaturrechnungen. Auch kleine Abweichungen von 10% sind schädlich. Wer den Kilometerstand nicht weiß, fragt seine Werkstatt oder informiert den Versicherer darüber, dass er es nicht weiß.

Klassiker der Falschangaben: Vorschäden am gestohlenen Fahrzeug

Auch für den Versicherungsschutz äußerst gefährlich ist das Verschweigen von Vorschäden am Fahrzeug, erst Recht wenn sie nicht vorher vollständig fachmännisch repariert worden sind. Die Fragen danach werden regelmäßig gestellt und regelmäßig falsch beantwortet. Zu den Vorschäden zählen nicht nur die Schäden, die der Versicherer früher einmal reguliert hat sondern es zählen dazu alle Vorschäden, die das Fahrzeug erlitten hat. Jede Beule, ob sie der Vollkaskoversicherung gemeldet wurde oder nicht, ist anzugeben. Auch Vorschäden des vorhergehenden Autobesitzers sind anzugeben, soweit sie dem Versicherungsnehmer bekannt sind. Jede Falschangabe kann zu dem vollständigen Verlust des Versicherungsanspruchs führen.

Klassiker der Falschangaben: Kfz-Schlüssel

Auch die Frage nach Schlüsseln und Zweitschlüsseln sowie nachgemachten Schlüsseln ist dringend richtig zu beantworten. Fehlerhafte Angaben führen hier in der Regel zu Leistungskürzungen bis hin zum Leistungsausschluss. Der Versicherer lässt Gutachten anfertigen, die überprüfen, ob ein Schlüssel dupliziert wurde oder nicht. Wer hier lügt, bekommt in der Regel nichts vom Versicherer, zumindest nicht freiwillig ohne Gerichtsverhandlung.

Aufgrund der Fälle, die wir hier in der Bearbeitung haben ist eigentlich anzuraten, direkt ohne vorherige eigene Schadenmeldung an den Versicherer einen Anwalt zu beauftragen, damit keine Fehler passieren und die Schadenanzeige richtig ausgefüllt wird. Falschangaben werden deshalb häufig gemacht, da die Fragen nicht richtig gelesen und verstanden werden. Die Hilfe durch Fachanwälte für Versicherungsrecht zahlt sich in den meisten Fällen aus.

Wert des Fahrzeugs

Bei einem gestohlenen Fahrzeug aber auch bei einem ausgebrannten Fahrzeug stellt sich die Frage nach dem Wertersatz, der bezahlt werden soll. Die meisten sind der Auffassung, dass sie den Wert erhalten, den sie dem Leasinggeber noch schulden aufgrund des Verlustes des Fahrzeuges. Das ist nicht richtig. Die Ansprüche des Leasinggebers haben nichts mit dem Entschädigungswert zu tun. Der Entschädigungswert ist der Wert des Fahrzeugs, den es tatsächlich hat, der also am Markt gezahlt werden muss, um ein solches Wieder zu beschaffen. Dieser muss ermittelt werden, gegebenenfalls durch ein Sachverständigengutachten. Bei Leasingverträgen sollten Sie darauf achten, ob Sie überhaupt die Zahlung vom Versicherer an sich fordern dürfen, meist nämlich nicht. Die Zahlung ist regelmäßig an den Leasinggeber zu fordern.

Wiederauffinden von Fahrzeug, Fahrzeugteilen oder Einrichtungsgegenständen

Manchmal passiert es, dass sich von dem gestohlenen Fahrzeug Teile einfinden oder Einrichtungsgegenstände, zum Beispiel Einbauten eines Nutzungsfahrzeugs. Die Polizei informiert Sie als Versicherungsnehmer in der Regel davon und der Versicherungsnehmer geht in der Regel davon aus, dass der Versicherer mit der Polizei insoweit zusammenarbeitet.
Dem ist nicht so.
Nach den Versicherungsbedingungen sind Sie verpflichtet, unverzüglich den Versicherer zu informieren, sollten sich gestohlene Gegenstände oder Teile davon wiederfinden. Ein Unterlassen dieser Information gefährdet den Versicherungsschutz.