• Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht und Versicherungsrecht

Wie viel Geld muss der Unfallsicherer zahlen?

Die Höhe der Entschädigung richtet sich einmal nach der Gesamtkörperinvalidität. Wie man die Gesamtkörperinvalidität berechnet wird hier erklärt. Zum anderen ist entscheidend, welche Versicherungssumme vereinbart hat wurde. Als drittes muss man immer prüfen, ob Mehrleistungen vereinbart wurden oder so genannte Progressionen.

Progressionen und Mehrleistungsklauseln

Mit Abschluss der Unfallversicherung gelten die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AUB) des Versicherers. Dort ist eine Gliedertaxe vorhanden, wo für fast jedes Körperteil ein bestimmter prozentualer Wert angegeben ist. Für einen Finger sind 5 % angegeben, für ein Bein 70 % usw. Verlieren sie beide Beine gelten Sie als 100 % Invalide, denn mehr als 100 % Invalidität kann nie eintreten.

Welche Leistung bekomme ich?

Es gibt Unfallversicherungen, wo keine so genannte „Progression“ vereinbart ist und auch keine Mehrleistungsklauseln bei hoher Invalidität. Der Grundfall der Unfallversicherung ist so, dass je nach Grad der Invalidität der gleiche Prozentsatz der Versicherungssumme bezahlt wird. Wenn also eine Versicherungssumme von 100.000 € vereinbart ist und 60 %ige Invalidität besteht, dann erhält man als Leistung 60.000 €.

Was ist Progression der Unfallversicherung?

Sie können auch eine progressive Staffel vereinbart haben, zum Beispiel 350 % Progression (es gibt auch 500 % oder 1000 % Progression). 

350 % Progression bedeutet, dass für die ersten 25 % der Invalidität 25 % der Versicherungs-summe bezahlt wird. In unserem Beispielfall 25.000 €. Für die nächsten 25 % Invalidität, nämlich die zwischen 25 % und 50 % liegenden 25 % Invalidität, wird der dreifache Satz, also: 3 x 25 % ergibt 75 %, bezahlt. Addiert man die ersten 25 % (von 1 % - 25 % Invalidität) hinzu wird 100 % der Versicherungssumme ausbezahlt. Bei einer vereinbarten 350 % Progressionsstaffel bei einer Invalidität von 50 % wird daher 100 % der Versicherungssumme bezahlt, also 100.000 €.

Im Beispielsfall besteht aber 60 % Invalidität. Vereinbart ist dann in den Versicherungsbedingun­gen, dass für den Invaliditätsteil, der 50 % übersteigt, der fünffache Satz bezahlt wird. Das bedeutet, dass für die restlichen 10 % (der Teil zwischen 50 % und 60 % Invalidität) der fünffache Satz bezahlt werden muss, also 5 x 10 % = 50 %. Sind also 60 % Invalidität festgestellt werden insgesamt bei einer 350-prozentigen Progressionsstaffel 150 % der Versicherungssumme, in unserem Beispielsfall daher 150.000 € bezahlt.

Mehrleistungsklausel

Bei der Mehrleistungsklauseln ist meist vereinbart, dass bis zu einem Invaliditätsgrad von 90 % nur der einfache Satz bezahlt wird, erst wenn die Invalidität über 90 % beträgt, wird z.B. die doppelte Leistung fällig.