Verbot künstlicher Fingernägel durch den Arbeitgeber zulässig

Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 21.02.2019, 1 Ca 1909/18

Die Arbeitgeberin hängte am allgemein zugänglichen Info-Board eine Dienstanweisung zum Thema Fingernägel aus. Inhalt war, dass das Tragen langer, lackierter und künstlicher Fingernägel sowie das Tragen von Gelnägeln aus hygienischen Gründen während der Arbeitszeit untersagt ist.

Die Arbeitnehmerin arbeitet als Helferin im sozialen Dienst im Altenheim des Arbeitgebers, wo sie auch hin und wieder mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Sie klagte gegen die Wirksamkeit der Dienstanweisung.

Das Arbeitsgericht wies die Klage ab. Die Dienstanweisung ist wirksam. Das Gericht bezog sich überwiegend auf hygienische Gründe, so auf Studien des Robert Koch Instituts und aus Ausführungen aus dem Bundesgesundheitsblatt. Dort heißt es: „Die Bakteriendichte ist auf künstlichen Nägeln höher als auf natürlichen. Zugleich beeinträchtigen künstliche Nägel den Erfolg der Händehygiene und erhöhen die Perforationsgefahr für Einmalhandschuhe. Wiederholt konnten künstliche Nägel als Quelle für NI (nosokomiale Infektionen) bei immun-supprimierten Patienten und für Ausbrüche postoperative Wundinfektionen identifiziert werden …“

Hinweis für die Praxis:
Wer als Arbeitgeber ein Urteil braucht, dass kurze Fingernägel erforderlich sind und er das einseitig anweisen darf, kann sich sehr gut auf dieses Urteil berufen. Und für alle, die Töchter mit derartigen Fingernägel haben, kann das Urteil auch herangezogen werden.