Desinfektionsmittel im Kofferraum – fristlos gekündigt

Landesarbeitsgericht Düsseldorf – Urteil vom 14.01.2021 – 5 Sa 482/20

Leider sind Fälle, in denen Arbeitgeber von den eigenen Mitarbeitern bestohlen werden, keine Seltenheit mehr. Erst kürzlich durfte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf jedoch feststellen, dass sich der Fokus der Täter in Zeiten der Corona-Pandemie mitunter auf ganz andere Dinge richtet, als gedacht.

Während des ersten Corona-Lockdowns wurden aus den Waschräumen der Arbeitgeberin immer wieder Desinfektionsmittel entwendet. Durch Aushänge in den Waschräumen mit denen sie darauf hinwies, dass das Mitnehmen von Desinfektionsmittel eine fristlose Kündigung und Anzeige zur Folge habe, versuchte sie mögliche Täter abzuschrecken. Allerdings ohne Erfolg.

So entwendete der Kläger zur Überzeugung des Gerichts im oben genannten Rechtsstreit während einer Nachtschicht einen 1-Liter-Behälter Desinfektionsmittel und legte diesen in den Kofferraum seines Autos. Nur weil der Werksschutz stichprobenartige Ausgangskontrollen durchführte, wurde der Kläger bei dem Versuch, das Werksgelände der Arbeitgeberin am nächsten Morgen zu verlassen, überführt. Die Arbeitgeberin sprach die fristlose Kündigung aus. Der Kläger legte hiergegen Kündigungsschutzklage ein.

Während der Kläger gegenüber dem Werksschutz noch angab, er habe das Desinfektionsmittel mitnehmen dürfen, um sich unterwegs die Hände zu desinfizieren, änderte er seine Taktik vor Gericht. Der Kläger, der als Be- und Entlader sowie Wäscher bei der Beklagten, einem Paketzustellunternehmen, tätig war, behauptete nun, er habe das Desinfektionsmittel in den Kofferraum seines Autos gelegt, damit seine Kollegen und er selbst sich während der Nachtschicht regelmäßig die Hände desinfizieren konnten. Er selbst sei einmal die Stunde zu seinem Fahrzeug, welches ganz in der Nähe des Arbeitsplatzes geparkt gewesen war, gegangen, um sich die Hände zu desinfizieren.

Dass die Version des Klägers nicht stimmen konnte, war dem Gericht allerdings schnell klar. Der entwendete Behälter war nämlich nicht angebrochen, als der Werksschutz diesen fand. Das Gericht erklärte die fristlose Kündigung daher für wirksam und wies die Kündigungsschutzklage ab. In den Augen des Gerichts hätte dem Kläger klar sein müssen, dass er in Zeiten der Pandemie, in denen auch die Arbeitgeberin mit Versorgungsengpässen zu kämpfen habe, durch die Entwendung eines Liters Desinfektionsmittel seinen Arbeitsplatz gefährde.